Eins/1/I
22. – 29. Juli 2011
Vernissage: 22. Juli 18:00-23:00 Uhr
Kochstr. 1, 8004 Zürich
Provisorische Pop-Up Galerien sind fester Bestandteil in der Londoner Kunstszene. In Zürich laden deshalb Yves Sinka, Fotografiestudent an der University of Arts in London und Oskar Weiss, der bei Hauser & Wirth London arbeitete, im Interesse der jungen Kunst in und rund um Zürich zum Projekt ‘Eins/1/I’, das Werke von vier verschiedenen Künstlern ausstellt. In einer ehemaligen Druckerei präsentieren sie von Installationen, Fotografien und Malereien bis hin zu Skulpturen ein breites Spektrum an zeitgenössischer Kunst. Am 22. Juli laden Sinka + Weiss zur Vernissage.
Tina Braegger: Grateful Dead
Tina Braegger, die durch ihre grossformatige, farbige Malerei und kleineren, auf Leinwand geplotteten ‚Grateful Dead‘-Bären erste internationale Erfolge feiert, zeigt ihr bekanntes und unbekanntes Schaffen. Mit der Serie ‘THE GRATEFUL DEAD‘ führt sie in ihre etwas andere Malerei ein, die auf Kontinuität und Gegensätze setzt und sich doch auf Details konzentriert. Im Internet gefundene, bis zur Verpixelung vergrösserte Bärenbilder (die ur-sprünglich das Logo der Band ‚Gratful Dead‘ sind) bearbeitet sie im Photoshop mit Filtern und veredelt sie mit Kunstharz. Obschon durch Kraft und Härte umgesetzt, verlieren sie doch keinesfalls ihre charmant-witzige Wirkung. Die Reproduktion von für alle zugänglichen Vorlagen, gekoppelt mit individuellen, teils psychedelischen Nuancen lässt die Dualität von System und Freiheit aufleben ohne mit dem Finger darauf zu zeigen.
Rico Scagliola & Michael Meier: SELF-PORTRAIT 2000-2011
Ganz im Gegensatz zum Detail beschreitet das aufstrebende Künstlerduo Rico Scagliola und Michael Meier, das mit ihrem erst kürzlich publizierten Fotobuch ‘Neue Menschen’ bei Edition Patrick Frey erste Erfolge feiert, diesmal neue Wege und zeigt eine aufwendige Installation, dessen Resultat sich aus knapp 2000 privaten DVDs durchaus sehen lässt. Dem subjektivistischen Paradigma, nämlich dem Bild als Abbild der eigenen Realität und Identität, das bereits in ihren Fotografien zentral zu tragen kommt, wird auch in ‚SELF-PORTRAIT 2000-2011‘ nicht vernachlässigt und auf skurrile Weise umgesetzt. Wie zwischenmenschliche Beziehungen formt auch der Konsum und Besitz von materiellen Dingen permanent das vergangene und jetzige Sein. Man ist, was man hat – oder hat man und man ist? Wie auch immer – die permanente Inszenierung des eigenen Ichs bleibt übrig; in einer subjektiven Lebenswelt, für eine objektive Realität.
Rico & Michael
Play Hunter: THIS INSTANT IS FOREVER
Play Hunter hat es mit ihrem Fotoblog Playlust.net geschafft, ein weltweites Kult-Following zu gewinnen. Daraus entstand 2010 der Fotoband ‚Now&Wow – A Style Hunter’s Book of Photographs‘, erschienen bei Keller & Gerber, Zürich. Nicht nur online wird ihre Kunst geschätzt, so hat sie es doch geschafft in diversen renommierten Galerien auszustellen, beispielsweise in der Langhans Galerie in Prag oder im Haus der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg. Auch die französische Modemetropole wurde auf ihre Arbeiten aufmerksam, so dass ihre Fotos in der Vogue Paris publiziert wurden. Zurück in der Heimat zeigt sie eine Serie aus neun Bildern, die auf Sofortfilm festgehaltene Momente unwiderstehlich für die Ewigkeit festhalten: THIS INSTANT IS FOREVER. Glamour mit Kratzspuren, aber ohne Sentimentalitäten, wie das Leben eben.
Playlust.net
Valentina Vujovic: Gerda
Um den Gegensatz zu wahren, zeigt Valentina Vujovic in ihrer ersten Ausstellung ihre handgefertigten Skulpturen, welche in sich gekehrt und doch zusammen ihre eigene Geschichte erzählen. Nicht verloren, nicht statisch wirken die aus Draht, Klebeband und mit Arcyl vermischtem weissem Leim gestalten Kunstwerke. Vielmehr offenbaren sie den Abschluss einer Geschichte, die in Worte und Bildern ihren Anfang nahm – wenn SIE DENKT, und denkt, und denkt, entsteht zwangsläufig ‚EIN FESTER GEDANKE‘. Die narrativen Figuren erlauben dem Betrachter deshalb einen Blick hinter das physische Sein und unterstützen das Verständnis der eigenen (Un-)Wirklichkeit, ohne der Fantasie skeptisch gegenüberzutreten.
Nicolas Frey: Welle & Baum
Auch Nicolas Frey lässt in seinen Werken der Fantasie als Förderer und Forderer seiner Schöpfung freie Hände. In vager Konzeption gestaltet Frey unvorhergesehene Werke, die während des künstlerischen Akts der Entstehung genau so frei sind wie deren Interpretation. ‚BAUM‘ und ‚WELLE, so betitelt er zwar seine zwei Werke, doch ergibt sich keine objektive Norm, keine Sinneszuschreibung oder hintergründig, tiefe Gedanken, sondern bloss irgendeine Geschichte, die sich je nach Winkel, Tageszeit, Stimmung und Fantasie des Betrachters verschiedenartig offenbart – ganz nach dem Motto: Interpretiert soll werden, was interpretiert wird.
Nicolas Frey studiert gegenwärtig an der ZHdK, Bachelor of Fine Arts.
Andrei Tacu
